Wir sehen Aktien weiter positiv und werden noch selektiver

Dienstag, 23. November 2021

Märkte

„Wir sehen Aktien weiter positiv und werden noch selektiver.“


Helen Windischbauer ist Head of Multi Asset Retail Solutions bei Amundi Deutschland. Wie sie die Reduzierung der Anleihekäufe der US-Notenbank und die aktuell hohen Inflationsraten bewertet und was das aktuelle Szenario für Anleger bedeuten kann, erläutert sie im aktuellen Interview.

 

 

 

Die US-Notenbank hat kürzlich angekündigt, die Anleihekäufe zu drosseln, den Leitzins aber vorerst unangetastet zu lassen. Die Börsen haben das sehr positiv aufgenommen, es gab Rekorde im Dow Jones und beim DAX. Hat Sie das überrascht?
Nein, das nicht. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht ein wenig verwunderlich, dass die restriktivere Ankaufspolitik die Börsen so wenig beeindruckt. Aber ich denke, wir haben es hier einfach mit einer sehr gelungenen Art der Kommunikation zu tun. Die US-Notenbank Fed ist sehr transparent, bereitete den nun angekündigten Ausstieg von Monat zu Monat praktisch bereits von langer Hand vor, kündigt Schritt für Schritt an. Das schafft schlicht Vertrauen im Markt.

Wenn man allerdings auf die hohen Inflationsraten in Deutschland blickt, oder die stark gestiegenen Erzeugerpreise in den USA, dann frägt man sich schon, ob die nächsten Zinsschritte nicht schon bald kommen könnten?
In der Tat wird in den USA, aber auch in Europa über mögliche Zinsschritte der Notenbanken diskutiert. Diese schauen natürlich aufmerksam auf die Entwicklung der Inflation, haben aber klar gemacht, dass sie momentan von einer vorübergehenden Entwicklung ausgehen. Für das nächste Jahr rechnet man in den USA und Europa wieder mit einem Rückgang der aktuell hohen Geldentwertung. Die EZB hat signalisiert, dass sie deshalb also keine Zinsschritte plant. Überlegungen zur Reduzierung der Anleihekäufe stehen indes sehr wohl auf der Agenda, hierzu wollte sich die EZB am Jahresende äußern.

Wie sollen Anleger in diesem Umfeld agieren, gibt es etwa Anlass zu Umschichtungen?
Diese Frage sollte man nach den Anlageklassen differenziert betrachten. Was Aktien angeht, sind wir weiter positiv eingestellt, auch wenn wir insgesamt etwas vorsichtiger werden und der Selektion einen hohen Stellenwert beimessen. Wir halten unsere Positionen und sehen Kursrückgänge als Chancen, aussichtsreiche Titel und Segmente etwas aufzustocken. Auf der Anleiheseite würden wir eine Short-Duration-Position bevorzugen, also kurze Laufzeiten, die im Falle einer Leitzinsanhebung weniger betroffen wären.

Was bedeutet die Marktsituation für Fondsanleger?
Wir gehen davon aus, dass es an den Märkten weiter spannend bleibt. Deshalb ist es für alle Anleger wichtig, das Marktgeschehen aufmerksam zu verfolgen, um gegebenenfalls aktiv handeln zu können. Wer dazu nicht die nötige Zeit oder Expertise hat, könnte beispielsweise auf aktive Fonds oder auch auf bequeme ETFs setzen.

Wie bewerten Sie die Situation in den Schwellenländern?
Die Märkte dort haben jüngst schwächer performt, was neben der Entwicklung in China insbesondere auch mit der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante und entsprechenden Lockdowns zu tun hatte. Dies hat das Wachstum abgebremst und auch sorgenvoll auf die Reduktion der Anleihekäufe der Fed blicken lassen. Wir denken aber, dass wir bereits viele schlechte Nachrichten hinter uns haben. Wenn die Impfungen auch in den Schwellenländern bald zunehmen und sich dann auch die wirtschaftliche Situation etwas entspannt, könnte die unterschiedliche Wachstumsdynamik im Vergleich zu den Industrieländern wieder ein starker Vorteil werden. Positiv werten wir auch die Aktivitäten Chinas, eine harte Landung zu vermeiden.

Wie sollten Anleger mit den verbleibenden Risiken umgehen?
Wer sich breit aufstellt, hat schon viel richtig gemacht. Bleiben Sie selektiv und behalten die Märkte im Blick, damit sie bewusst umsteuern können – das gilt natürlich sowohl für Titel aus den Industrieländern, wie für die Schwellenländer.

 

Rechtliche Hinweise:
Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 23.11.2021. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

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