Notenbanken haben eine Schlüsselrolle

Mittwoch, 12. Januar 2022

Marktkommentar

Notenbanken haben eine Schlüsselrolle


Thomas Kruse gibt als Chief Investment Officer von Amundi Deutschland die strategische und taktische Ausrichtung des Fondsmanagements vor. Im Interview erläutert er, womit Anleger 2022 rechnen sollten, wieso die US-Notenbank die aktuellen Inflationssorgen der Märkte wirkungsvoll beruhigen kann und warum China nach einem schwachen Jahr wieder für Chancen im Portfolio sorgen könnte.

      

      

 
Herr Kruse, der sogenannte „Fear & Greed Index“ von CNN Business steht aktuell im neutralen Bereich, vor rund einem Monat waren wir tief im Bereich „Extreme Fear“. Wie erklären Sie sich diese Schwankungen und wie bewerten Sie die aktuelle Stimmung im Markt?
Man sollte immer mehrere Indikatoren beobachten, um sich eine fundierte Marktmeinung zu bilden – doch zeichnet der Index eine Stimmung nach, die auch wir von Amundi wahrnehmen: Herrschte vor Weihnachten noch überwiegend große Sorge bezüglich der neuen Omikron-Variante, so stehen die Zeichen an den Märkten mittlerweile auf vorsichtiger Entspannung. Erste Studien zeigen offenbar, dass Omikron zwar hochansteckend, aber im durchschnittlichen Verlauf weniger gravierend sein könnte als Delta. Das lässt die Märkte etwas aufatmen.

Gibt es wirtschaftliche Parameter, die diese Entspannung unterfüttern?
Das bleibt abzuwarten. Fest steht, dass einerseits die historisch vergleichsweise hohe Inflation viele Marktteilnehmer eher belastet und auch die wirtschaftliche Dynamik insgesamt rückläufig ist. Eine Konstellation, die nicht ganz einfach ist. Doch die Notenbanken agieren bislang umsichtig. Vor allem die Federal Reserve hat mit ihrer Ankündigung, das Ankaufprogramm schneller zurückzufahren als vorab erwartet, sowie mit ihrer transparenten Politik der Forward Guidance einmal mehr die Lufthoheit erobert. Die Ankündigung, die Geldschwemme bald zu beenden, hat der Notenbank in diesem Jahr einen Spielraum von bis zu drei Zinsschritten nach oben verschafft, den sie je nach Marktsituation flexibel nutzen kann. Diese Souveränität und die Erkenntnis der letzten Jahre, dass die Fed damit verantwortungsbewusst umgehen wird, schaffen Orientierung. Das bringt Ruhe in die Märkte.

Was bedeutet das für Aktienanleger konkret?
Wir sehen Aktien grundsätzlich weiterhin positiv, sowohl europäische wie US-amerikanische Titel. Doch mit zweistelligen Zuwachszahlen wie im vergangenen Jahr rechnen wir in beiden Märkten nicht mehr. Wegen der angesprochenen Herausforderungen in Sachen Preisauftrieb und Geldpolitik sowie der allgemein nachlassenden Konjunktur erwarten wir für das neue Jahr insgesamt eher einen volatileren Verlauf. Das spricht im Übrigen insbesondere für gut austarierte, globale Mischportfolios mit einer breiten Streuung – vorzugsweise in Kombination mit einer strengen Selektion der Einzeltitel.

Welche Rolle sollte hierbei China im Portfolio spielen? Der ehemalige Wachstumsmotor der Weltwirtschaft hat ja 2021 nicht so richtig gezündet.
Richtig, die Erwartungen waren durchaus höher als die realen Zahlen. China hatte ja als erstes Land nach dem Covid-Knick bereits 2020 wieder ein positives Wachstum zu verzeichnen, doch 2021 haben dann einige innenpolitische Entwicklungen gebremst. Wir sehen aber nun wieder eine expansivere Ausrichtung bei Regierung und Notenbank. Die Chancen im chinesischen Aktiensegment finden übrigens ihre Entsprechung auch auf der Rentenseite: Die Bank of China zeigt sich bei der Geldpolitik deutlich expansiver, was auch bei Staatsanleihen attraktive Anlagechancen eröffnen könnte.

Welche Herausforderungen sollten Anleger 2022 weiter im Blick behalten?
Wer sein Multi-Asset-Portfolio breit streut und auch nachhaltig ausrichtet, den dürften zwischenzeitliche Phasen höherer Volatilität nicht über Gebühr belasten. Allerdings sollte die Entwicklung bei Inflation und Zins gut im Auge behalten, und auch beachtet werden, dass die Wachstumsdynamik langsam abflaut und sich wieder den Vor-Corona-Korridoren nähern dürfte.
   

Rechtliche Hinweise:
Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 11.01.2022. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

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