Diverse Teams sind besser

Montag, 08. Februar 2021

Nachhaltigkeit

„Diverse Teams sind besser“


Janina Kugel ist Aufsichtsrätin und Expertin für Diversität, Disruption und Digitalisierung. Auf der Amundi Outlook Investment Konferenz 2021 erläuterte sie, warum Vielfalt ein wertvolles Kapital sein kann und Unternehmen von facettenreichen Teams profitieren können.

      

      

   

Frau Kugel, nur 78 von insgesamt 681 Vorstandsmitgliedern in DAX, M- und S-DAX sind aktuell Frauen. Verpassen Unternehmen mit von Männern dominierten Führungsriegen etwas?

Ich bin überzeugt: Ja! Denn zum einen verpassen sie den Anschluss an gesellschaftlich relevante Themen – denken sie neben der aktuellen Diskussion um mehr Gender-Diversität in Deutschland nur an die weltweiten Black-Lives-Matter-Demonstrationen im letzten Sommer. Zum anderen „verzichten“ solche Unternehmen auch auf mehr Chancen in betriebswirtschaftlicher Hinsicht.

Inwiefern, könnten Sie das bitte näher erläutern?

Wissenschaftlich Untersuchungen belegen, dass unterschiedliche Perspektiven in einer Gruppe das Arbeitsergebnis des Teams verbessern. Eine Studie der Harvard-Universität zu den besten Venture Capital-Firmen fand beispielsweise heraus, dass die Renditen umso schlechter ausfielen, je ähnlicher sich die Mitglieder des Teams waren – etwa weil sie die gleiche Universität besucht hatten. Je mehr Perspektiven hingegen in den Entscheidungsprozess einfließen konnten, desto besser waren auch die Ergebnisse. Insofern sollte Wirtschaft auch im eigenen Interesse abbilden, was gesellschaftlich wichtig ist und zugleich dieses große Diversitätspotenzial gezielt nutzen.

Auf was sollten Unternehmen bei der Umsetzung von mehr Diversität achten?

Diverse Teams sind zwar sozusagen „besser“, aber das heißt nicht automatisch, dass sie auch leichter zu führen sind. Denn durch die Unterschiedlichkeit entsteht auch viel Reibung. Hier benötigt es bei den Führungskräften entsprechende Kompetenzen, diese Herausforderung zu moderieren. Denn dann entstehen durch mehr Reibung innovativere und bessere Ergebnisse.

Initiativen wie der „Club 30%“, dem auch Amundi angehört, streben entsprechende Diversitätsquoten in Vorständen und Belegschaften an. Wie kommt die Zahl „30%“ eigentlich zustande, was ist der Gedanke dahinter?

Diese Quote ist natürlich nicht willkürlich gewählt, sie lässt sich aus der Soziologie und der Psychologie ableiten. Denn bei einer Gruppe von zehn Mitarbeitern, wird sich einer, der anders ist, immer an die Mehrheit anpassen. Erst wenn ca. 30% andere Meinungen in einer Gruppe existieren, hat das Einfluss auf die Meinungsbildung der gesamten Gruppe.

Lässt sich mehr Diversität nur streng über Quoten regeln?

Mein Wunsch wäre klar, dass es auch ohne Quoten geht. Aber die Realität zeigt, dass sich zu wenig bewegt. In Unternehmen und Ländern, die verbindliche Vorgaben eingeführt haben, tritt Veränderung ein. Daher befürworte ich Quoten. So lernen die Teams schneller, dass Diversität ganz normal ist und nach einiger Zeit nur mehr die die Person als Mensch zählt, und nicht das Geschlecht oder die Herkunft. Ich mache das an einem Beispiel fest: Nachdem ich länger mit einem ehemaligen Kollegen zusammengearbeitet hatte, der anfangs gewisse Vorbehalte zu Diversität hatte, fragte ich ihn: „Wenn wir zusammen ein Thema bearbeiten, denkst Du über mich als „diese Frau“ oder als „Janina“? Da musste er lachen, weil er sofort verstand, was ich damit meinte.  

Rechtliche Hinweise:
Stand 31.01.2021. Die in diesem Beitrag vertretenen Einschätzungen und Ansichten stammen von Janina Kugel.