Märkte: „2023 könnte besser werden als gedacht“

Mittwoch, 01. Februar 2023

Marktkommentar

Märkte: „2023 könnte besser werden als gedacht“


„Sentiment“ nennen die Börsianer die Stimmung an den Märkten und diese war zum Jahreswechsel erstaunlich gut. Warum Investorinnen und Investoren angesichts vieler Herausforderungen dennoch vorerst defensiv bleiben sollten, erörterte Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland, auf der aktuellen Amundi Investment Konferenz. Doch schon bald könnte sich auch konjunkturell wieder etwas Licht zeigen. Was das hinsichtlich aktiver Selektion, Allokation und Timing bedeuten könnte, lesen Sie hier im ausführlichen Interview.

  

Herr Kruse, hat Sie überrascht, wie gut der DAX ins neue Jahr gestartet ist?

Ja, in der Tat ist die Stimmung überraschend positiv, vor allem wegen des milden Winters, der die Energieproblematik etwas abfedert und der leicht rückläufigen Inflation. Doch als nüchterne Analysten bleiben wir vorsichtig, denn die Inflation ist weiter auf hohem Niveau. In den USA liegen wir für Januar immerhin noch bei allgemein 6,5 % und einer Kerninflation von 5,7 %. Deshalb halten wir es auch nicht für realistisch, dass die Notenbanken nun gleich lockern. Wir rechnen jedenfalls eher mit weiteren Zinsschritten der Fed und der EZB. Neben den relativ gesehen immer noch hohen Energiepreisen, der noch vorhandenen Lieferkettenproblematik oder dem Ukraine-Krieg dürfte auch das die Konjunktur belasten – diese Risiken darf man nicht ausblenden. Deshalb rechnen wir in der ersten Jahreshälfte auch mit Druck auf den Aktienmärkten.

Wie könnten sich Anleger in dieser Phase positionieren?

Wir würden die Aktienquote etwas zurückfahren, gehen aber davon aus, dass hier selektiv dennoch Chancen bestehen. Vor allem im Bereich von Value-Titeln, bei denen die Unternehmen weiterhin starke Bilanzen aufweisen können und gute Erträge erwirtschaften. Regional würden wir US-Titel übergewichten und auch Staatsanleihen sind wegen des höheren Leitzinses wieder vergleichsweise attraktiv.

Bieten sich auch Chancen in China?

China könnte jedenfalls eine wichtige Rolle dabei spielen, dass die befürchtete Rezession in vielen Ländern milder ausfällt oder zurück in ein – wenn auch geringes – Wachstum kippt. Denn China öffnet seinen Markt nach dem Corona-Shutdown wieder sehr konsequent, was positive Impulse setzt und zudem die Lieferkettenproblematik entspannt, die ein Teil der Inflationsproblematik ist. Deshalb rechnen wir für die Volksrepublik in 2023 wieder mit einem Wachstum von 4,5 %, was das globale Wachstum bei rund 3 % halten könnte. So dürfte China einen Beitrag zum Soft Landing leisten und mit zu einer entspannteren zweiten Jahreshälfte beitragen, auch wenn wir die USA wegen des hohen Leitzinses und eines hohen Ölpreises dann konjunkturell nochmal unter Druck sehen dürften.

Ergeben sich also bereits wieder Chancen an den Aktienmärkten?

Wer seine Investments gezielt auswählt, wird immer auch Chancen finden, vor allem wenn sich Märkte wieder in eine andere Richtung bewegen. Wir sehen jedenfalls zyklische Titel und Branchen dann als attraktiv an, wenn die Konjunktur wieder etwas Fahrt aufnimmt. Auch ein „Shift“ vom Übergewicht in US-Titeln hin zu einem höheren Anteil europäischer Unternehmen könnte dann Sinn ergeben. Zudem dürften Dividendentitel und entsprechend Unternehmensanleihen profitieren.

Wie können Anlegerinnen und Anleger dieses Szenario in ihrem Portfolio abbilden?

Das könnte man aktiv selbst steuern, etwa über entsprechende ETFs. Oder man setzt auf aktiv gemanagte Fonds, die das Timing, die Gewichtung und die Einzeltitelauswahl für einen übernehmen. Hier haben vor allem Multi-Asset-Fonds gewisse Stärken, die Anlegerinnen und Anleger nutzen könnten. Mit Blick auf Dividendenrenditen könnte auch Multi-Asset-Income-Fonds interessant sein, die vor allem auf regelmäßige Ertragschancen achten.

Gibt es weitere Themen, auf die Investoren 2023 besonders achten sollten?

Wir denken, nachhaltige Investments wie ESG-Kapitalanlagen bleiben spannend. Beim letzten Weltklimagipfel COP 27 wurde beispielsweise errechnet, dass 50 % der Infrastruktur für die Klima- und Energiewende heute noch gar nicht existieren – da zeigt sich enormes Potenzial. Neben den ESG-Vorzeigeunternehmen öffnen wir unseren Fokus mittlerweile auch auf Unternehmen, die gerade daran arbeiten, nachhaltigere Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wir sprechen hier von „ESG-Improver“ – da wird es mit Sicherheit noch einige positive Überraschungen in der nächsten Zeit geben. Auch der Wettbewerbsdruck, der etwa durch die Abwanderung von Arbeitsplätzen in der klassischen Auto- und Zulieferindustrie entsteht, wird zu Innovationen führen, wie wir es aktuell beim „grünen Stahl“ erleben. Nachhaltige Innovationen werden generell ein entscheidender Faktor dabei sein, die enormen Summen für die anstehende Transformation zu erwirtschaften.

 
Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 25.01.2023. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen.  Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

Weitere Nachrichten