„Wir bleiben positiv und breit investiert – aber mit einem wachsamen Blick“
Hohe Aktienkurse trotz geopolitischer Konflikte und belastender Energiekosten, gestiegene Anleiherenditen und die erste Zinserhöhung der Fed seit drei Jahren: Wie Anleger auf ein volatiles Umfeld reagieren könnten, skizzierte Helen Windischbauer, Head of Multi Asset Solutions bei Amundi Deutschland, in der jüngsten Ausgabe des beliebten Online-Formats „Amundi CIO-Update“.
Frau Windischbauer, welchen Herausforderungen müssen sich die Märkte aktuell stellen?
Sie müssen derzeit eine Vielzahl teils konträrer Signale berücksichtigen und bewerten. Generell sehen wir global ein robustes Wachstum, vor allem in den USA und natürlich in den dynamischen Schwellenländern wie China und vor allem Indien. Aber auch Europa sowie Japan scheinen aus ihrer Stagnation zu finden und setzen positive Wachstumsimpulse. Doch die Geopolitik sorgt regelmäßig für Herausforderungen, jüngst wieder mit einer Verschärfung der Lage im Nahen Osten – der nun steigende Ölpreis und allgemein hohe Energiepreise sind die Hauptgründe dafür, dass die Gesamtinflation in den USA mit 3,4% und in Europa mit 3,3% wieder deutlich ansteigt. Deshalb haben sowohl die EZB wie auch die US-Notenbank Fed mit einer Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte reagiert.
Die Fed hat den Leitzins erstmals seit drei Jahren angehoben. Sehen wir hier einen neuen Zyklus?
Die Märkte rechnen jedenfalls mit drei Zinsschritten der Fed bis Mitte nächsten Jahres. Die Notenbanken sind nun proaktiver und wollen die Fehler am Ende der Pandemiezeit nicht wiederholen, als die Inflation hochschnellte. Die gute Nachricht ist, dass der US-Arbeitsmarkt nicht der Grund für die Zinsanhebung war und momentan auch keine Zweitrundeneffekte erwartet werden. Die Fed dürfte jedenfalls wachsam bleiben und weiter datenabhängig entscheiden – deshalb wird sich erst noch zeigen, ob wir sozusagen einen „kleinen“ Zyklus der Zinsanhebung sehen oder einen „breiteren“.
Was bedeutet das konkret für die unterschiedlichen Anlageklassen?
Pauschal kann man sagen, dass die Aktienmärkte sich trotz der im Sommer gegebenen Unwägbarkeiten gut behauptet haben – in Europa, aber noch besser in den USA mit bereits gut zweistelligen Zuwächsen im Jahresverlauf im S&P 500-Index sowie beim NASDAQ-Index. Nicht zuletzt, weil die Umsätze und Gewinne der Unternehmen in den USA überzeugend waren und sind. Dabei sehen wir nun eine gewisse Rotation der Sektoren, denn die Dominanz der KI-Werte schwindet etwas, die Performance streut sich wieder breiter – beispielsweise in den Bereichen Energie, Kommunikation und IT oder den zyklischen Konsumgütern. Europäische Aktien reflektieren die positiven Gewinnaussichten etwas eingeschränkter als US-Titel, blicken aber seit Jahresbeginn sowohl im DAX wie im EURO STOXX-Index auf ein deutliches Plus von 3,4% bzw. 7,4% – und das trotz der geopolitischen Verwerfungen und des hohen Ölpreises.
Wie steht es denn bei den Anleihen?
Die Erwartungen von Zinserhöhungen haben natürlich die Anleihekurse unter Druck gesetzt, doch das Gesamtbild ist intakt. Die Renditen sind vergleichsweise attraktiv und liegen von US- und EU-Staatsanleihen über Investment-Grade-Anleihen bis hin zu Hochzins- oder Schwellenländer-Anleihen über ihrem 10-Jahres-Schnitt. Die langfristigen Renditen steigen, die Treiber sind hier u.a. zunehmende Schuldenbedenken und ein enormes Angebot von Anleihen der US-Hyperscaler zur Finanzierung von KI-Infrastruktur. Die höheren Zinsen kommen Anlegern zugute, die nun wieder über die gesamte Zinskurve investieren können.
Welche globalen Themen sollten Anleger im Herbst besonders beachten?
Wichtig ist die Erkenntnis, dass das globale Wachstum zugleich widerstandsfähig, aber ebenso fragil und uneinheitlich sein kann. Auch das Zusammenspiel von US-Fiskalpolitik und -Geldpolitik bleibt angespannt. Geopolitische Konflikte dürften die Energiemärkte weiter in Alarmbereitschaft halten, zudem wird das Megathema KI selektiver und systemischer.
Mit welchen Anlageüberzeugungen operiert das Amundi Portfoliomanagement im Herbst und bis zum Jahresende?
Generell suchen wir Diversifikation und vermeiden Konzentrationen. Wir sehen Chancen bei Investitionen in Europas Autonomie – vor allem bei Infrastruktur, Verteidigung und Energiesicherheit – und selektiv in Schwellenländern, die Gewinner von Lieferkettenverschiebungen oder Rohstoffexporteure sind. Neben den Anpassungen an das veränderte Renditeumfeld bei Anleihen setzen wir angesichts der höheren Inflation auf reale Vermögenswerte. Zudem denken wir traditionelle Absicherungen neu und bevorzugen ein breites Schutzinstrumentarium mit Gold, Währungen, alternativen Anlagen und Hedging-Strategien.
Wie spiegelt sich das in Ihrer Asset Allokation?
Wir bleiben vorsichtig positiv und auch breit investiert. Außer bei unserer neutralen Positionierung für Hochzinsanleihen und Öl sind wir in allen relevanten Dimensionen – Duration, Unternehmensanleihen hoher Bonität, Schwellenländeranleihen, US-Aktien sowie bei Gold – leicht übergewichtet. Aber: Wir tun das angesichts eines volatilen Umfelds und geopolitischer Unwägbarkeiten mit der nötigen Vorsicht und der Bereitschaft, schnell auf sich ändernde Faktoren reagieren zu können.
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Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 17.09.2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen. Die Informationen wurden mit der im Geschäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt zusammengestellt und entstammen Quellen, die Amundi Asset Management zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für zuverlässig hält. Amundi Asset Management übernimmt keinerlei Haftung für jedwede Fehler oder Versäumnisse und schließt ausdrücklich jegliche Haftung für jedwede Fahrlässigkeit und Vorsatz aus. Dies gilt neben dem Empfänger dieser Informationen auch gegenüber weiteren Personen, die diese Informationen möglicherweise verwenden. Der Ausschluss der Haftung bezieht sich auf sämtliche Verluste sowie unmittelbare Schäden und Folgeschäden. RedOak #5943640