Im Rahmen des Amundi Dinner-Dialogs in der Französischen Botschaft in Berlin haben wir am 30.06. mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Finanzwirtschaft darüber diskutiert, wie die Altersvorsorge in Deutschland langfristig zukunftsfähig gestaltet werden kann. Mit den Empfehlungen der Alterssicherungskommission liegt erstmals ein konkreter Vorschlag vor, kapitalgedeckte Elemente auch in der ersten Säule der Altersvorsorge zu stärken – ein wichtiges Signal, das dringend genutzt werden sollte.
Christian Pellis: „Das wichtigste ist: Wir machen jetzt etwas“
Christian Pellis, CEO von Amundi Deutschland, lobte insbesondere die Einführung von Elementen der Kapitaldeckung in allen drei Säulen der Altersvorsorge. Hier und da hätte er sich eine andere Ausgestaltung vorstellen können – zum Beispiel die Orientierung am französischen Opt-out-Modell statt des nun von der Kommission empfohlenen Opt-in-Verfahrens –, gleichwohl verleite allein schon die Tatsache, dass die 13-köpfige Kommission ihre 33 Vorschläge einstimmig beschlossen habe, zu großem Optimismus.
Jérôme Brouillet: „Deutschland und Frankreich bleiben Motor der Kapitalmarkt-Union“
M. Jérôme Brouillet, Gesandter für Wirtschaftsangelegenheiten der französischen Botschaft in Berlin, vertiefte diesen Gedanken: Die deutsche Rentenreform sei ein zentraler Schritt, um einerseits die Altersvorsorge auf eine solide Basis zu stellen, anderseits aber auch, um europäische Ersparnisse für europäische Investitionen nutzbar zu machen.
Jörg Rocholl: „Die Einführung der Kapitaldeckung ist ein wesentlicher Durchbruch“
Professor Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology in Berlin und eines der acht wissenschaftlichen Mitglieder der Rentenkommission, betonte in seinem Impulsvortrag, dass die 33 Vorschläge kein Angebot auf einem Buffet darstellten, von dem man sich nach Gusto auswähle, sondern nur als Gesamtpaket den erwünschten Effekt hätten. Insbesondere hob er einige Paradigmenwechsel hervor: die Kopplung von Lebenserwartung und Renteneintrittsalter, die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors, die Abschaffung der Rente mit 63, die neue Orientierung am Leitbild einer Erwerbstätigenversicherung, die auch Vorstände/Geschäftsführer, alle Selbständigen, die nicht in berufsständischen Versorgungswerken organisiert sind, Abgeordnete und nach Ausräumung verfassungsrechtlicher Bedenken Beamte einschließe sowie die Verpflichtung von Bund und Ländern, Rücklagen für Pensionen zu bilden.
Der aus seiner Sicht wesentliche „Durchbruch“ sei aber mit der schrittweisen Einführung von Elementen der Kapitaldeckung in allen drei Säulen der Altersvorsorge gelungen. Damit werde auch ein wichtiger Schritt in Richtung „Beseitigung der Vermögensungleichheit“ getan. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung, die üblicherweise auf Spar- und Girokonten Ersparnisse bilde, habe in den vergangenen Jahren negative Realrenditen erzielt; die reichere Hälfte, die auch Aktien- und Immobilienvermögen besitze, habe positive Realrenditen erzielt. Dadurch dass die Kapitalmärkte nun für alle automatisiert in die Altersvorsorge einbezogen würden, werde sich die Schere mittelfristig zumindest nicht mehr weiter öffnen. Die Anlagepolitik müsse privat organisiert sein, der Staat dürfe sich nicht mit Nebenzielen einmischen, das einzige Ziel müsse Renditemaximierung sein, damit Altersarmut trotz des demographischen Wandels kein Thema mehr werde. Deshalb sei er auch gegen Garantien. „Das regelt die Zeit“.
Cvetelina Todorova: „Ich sehe ein grundlegendes Umdenken in der Politik“
Cvetelina Todorova, die beim Bundesverband Investment und Asset Management das Thema Altersvorsorgepolitik verantwortet, sieht ebenfalls ein grundlegendes Umdenken in der Politik. Man höre aus dem Bundestag kaum noch Slogans wie „Mit der Rente zockt man nicht“. Viele Punkte seien in der Durchführung und in Bezug auf die Kosten aber noch nicht geklärt. Zudem sei auch noch nicht klar, in welchem Umfang der Staat als Wettbewerber aktiv werde. „Irgendjemand muss die Depots für die Leute einrichten, irgendjemand muss die Kapitalanlagen managen. Kommt am Ende ein staatlicher Assetmanager? Vergibt der Staat Mandate an Private?“, nannte sie einige offene Punkte. Klar sei auch, dass noch viel Arbeit warte. Je schneller die Pläne konkretisiert würden, desto zuversichtlicher sei sie, dass eine zügige Umsetzung gelinge.
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