Krieg im Iran: „Kursschwankungen ja, aber eine globale Rezession ist momentan unwahrscheinlich“

In der jüngsten Ausgabe des beliebten Online-Formats „Zeit für Geldanlage“ von Amundi Deutschland am 20. April lag der Fokus auf den Auswirkungen des Iran-Kriegs an den Finanzmärkten. Anna Rosenberg, Leiterin der Abteilung Geopolitik am Amundi Investment Institute, und Helen Windischbauer als Head of Multi Asset Solutions bei Amundi Deutschland beleuchteten den Stand des Konflikts sowie die Folgen für die Weltwirtschaft. Thomas Meyer zu Drewer, Head of Public Distribution Germany & Austria bei Amundi Deutschland, sorgte im Anschluss für Orientierung, wie Anlegerinnen und Anleger nun konkret auf die aktuell komplexe Marktlage reagieren könnten.
 

Frau Rosenberg, wie lange dürfte der Krieg im Iran noch andauern?

Dass es nach dem ersten Schlag gegen Irans Atomanlagen im Juli des letzten Jahres noch ein Nachspiel geben würde, hatten wir ja in unserem Hauptszenario erwartet – vor allem, weil Israel das Regime im Iran weiter schwächen will, und letztlich die Bedrohung durch das iranische Regime und sein Netzwerk an Milizen ausschalten will. Diese Ziele sind offenbar trotz wochenlanger Luftschläge weiterhin nicht erreicht. Auch wenn nicht ganz klar ist, wer im Moment im Iran die Macht in der Hand hält, scheinen es doch noch radikalere Kräfte zu sein als zuvor. Deshalb dürften militärische Aktionen wohl auch noch eine ganze Weile weitergehen, insbesondere rund um die Straße von Hormus. 

Welche Rolle spielen momentan die Anrainerstaaten, welche die NATO oder China und Russland?

In unserem Basisszenario kommt es zu keiner weiteren Destabilisierung und die Anrainerstaaten halten sich eher zurück. Die NATO wird aller Voraussicht nach nicht eingreifen, allerdings könnten einzelne NATO-Länder sehr wohl bei der Sicherung der Straße von Hormus helfen. Zudem hat China aus unserer Sicht kein Interesse an einer langen Blockade der Meerenge am Golf, denn der funktionierende Welthandel ist Voraussetzung des Wohlstandsversprechens an das eigene Volk. Russland könnte zwar vom höheren Ölpreis profitieren, ist aber letztlich mit dem Krieg in der Ukraine vollauf beschäftigt, was einem stärkeren Engagement auf Seiten des Iran entgegensteht. 

Wie könnte der Krieg nun weitergehen?

Das Eskalationsrisiko ist durch die Schließung der Straße von Hormus natürlich etwas angestiegen. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass Gespräche der beiden Hauptkriegsparteien perspektivisch gewisse Früchte tragen. Einen umfassenden Deal, der weiter geht als die Öffnung der Meerenge und den Verzicht der USA auf weitere Bombardements, halten wir aber aktuell für zu ambitioniert. Wir rechnen mit einer noch einige Zeit andauernden heißeren Phase mit Entspannungs- und Eskalationssignalen im Wechsel. 
Frau Windischbauer, wie reagieren die Märkte auf die Auseinandersetzung im Nahen Osten?
Wie zu erwarten mit hohen Ölpreisen und Kursschwankungen, die sich sehr stark daran ausrichten, ob die für die Weltwirtschaft so wichtige Straße von Hormus gerade offen oder geschlossen ist. Aktuell werten wir die Einschätzung der Lage durch die wichtigsten Leitbörsen als leicht verbessert, was heißt, dass Investoren grundsätzlich damit rechnen, dass es eine Lösung für die Öffnung der Straße von Hormus geben wird.

Was bedeutet das für die Wachstumsaussichten?

Die BIP-Prognosen für das laufende Jahr mussten sowohl global als auch in den wichtigsten Regionen teilweise etwas nach unten korrigiert werden. Das ist zwar angesichts ohnehin geringer Wachstumsraten schmerzlich, aber die gute Nachricht ist: Eine weltweite Rezession ist nicht eingepreist.  

Dennoch, die hohen Ölpreise dürften die Inflation antreiben?

In der Tat sehen wir, dass die Blockade der Straße von Hormus sich auch auf wichtige Güter wie Düngemittel und Industriegase auswirkt, was in der Folge auch bei Lebensmitteln preistreibend sein dürfte. Anleger sollten also nicht nur darauf achten, welche Unternehmen besonders energieabhängig sind und mit Gewinnrückgängen rechnen müssen, auch die Regionen sind unterschiedlich betroffen: Die USA sind Öl- und Gasexporteur und rohstoffreich, Europa – insbesondere wir Deutschen – sind hingegen deutlich abhängiger von den Preisen und der Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen. 

Spiegelt sich das auch in unterschiedlichen Inflationserwartungen wider? 

Genau, deshalb dürfte sich auch das Vorgehen der Notenbanken in den USA und Europa unterscheiden. Für den Euroraum und die EZB rechnet der Markt momentan mit höherer Inflation und deshalb mit zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr. Die Fed dürfte eher auf „Halten“ bleiben, und die bislang angenommenen Zinssenkungen spielen für viele Marktteilnehmer keine Rolle mehr. Diese Unterschiede könnten jeweils die Wachstumsaussichten beeinflussen, was Anleger selektiv bei der Auswahl von Unternehmen, Branchen und Regionen nutzen könnten.

Herr Meyer zu Drewer, wie sollten Privatanleger mit ETF-Sparplänen nun auf diese komplexen Märkte reagieren?

Mit Ruhe und Gelassenheit. Wichtig ist derzeit, wie immer: Breit streuen und diversifiziert bleiben! Dass Märkte schwanken, gehört einfach dazu. Es liegt in ihrer „Natur“ und ist eine wichtige Grundlage für langfristig attraktive Anlageergebnisse. Bei Kursabschwüngen kaufen Anlegerinnen und Anleger vergleichsweise günstig, die langfristigen Aufschwünge lassen das Vermögen wachsen. Der Schlüssel zum Erfolg bleibt also, neben der Langfristigkeit, die Regelmäßigkeit der Einzahlungen. Dann können Schwächephasen an den Börsen perspektivisch sogar für Extra-Rendite sorgen. 

Zudem täuscht der erste Eindruck belasteter, volatiler Börsen zum heutigen Zeitpunkt etwas: Viele wichtige Aktienindizes wie der amerikanische S&P 500, der MSCI World oder auch der breitere MSCI All Country World Index haben nach der Korrekturphase zu Kriegsbeginn gerade wieder neue Höchststände erreicht. Insofern sprechen viele gute Gründe für die Beibehaltung einer Strategie der ruhigen Hand.
 

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