Welchen Herausforderungen sich Deutschland als Wirtschaftsstandort in 2026 stellen sollte, analysierte Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest auf der Amundi Outlook Investment Konferenz am 21. Januar. Vor über 1.500 Online-Gästen betonte der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, dass die deutsche Konjunkturschwäche kein Schicksal bleiben muss. Welche Weichenstellung die Politik für mehr Wachstum stellen sollte, erläuterte er im ausführlichen Interview.
Herr Prof. Fuest, die europäischen Aktienmärkte entwickeln sich derzeit gut, auch der deutsche DAX überzeugt. Gilt das ebenso für die deutsche Wirtschaft insgesamt?
Nicht unbedingt. Die gute Entwicklung der europäischen Aktienwerte wird gestützt durch im Schnitt robuste Gewinne und das Wachstum der Unternehmen. Die Kurserfolge im DAX sind zu einem guten Teil dem Umstand geschuldet, dass die DAX-Titel rund 80% ihrer Umsätze auf internationalen Märkten erzielen. Die deutsche Wirtschaft hat hingegen – gemessen am BIP – mit den zwei leicht rezessiven Jahren 2023 und 2024 sowie mit den mageren +0,2% aus 2025 einen schweren Stand. Unsere ifo-Wachstumsprognose für 2026 wächst mit +0,8% auch nicht in den Himmel.
Wie steht es denn um die Stimmung in der deutschen Wirtschaft?
Gemessen am ifo-Geschäftsklimaindex sinkt die Stimmung seit 2021 unter Schwankungen sukzessive weiter ab. Dabei fällt auf, dass die Beurteilung der Geschäftslage sich bis Ende 2024 teilweise deutlich schlechter entwickelte als die Geschäftserwartungen. Im Jahresverlauf 2025 hat sich dieses Bild dann umgedreht. Die konkrete Situation des Unternehmens wird seitdem noch kritischer bewertet als die im Zeitvergleich immer noch recht niedrigen Erwartungen. Die Situation der Unternehmen hat sich somit offenbar weiter angespannt.
Könnte das Fiskalpaket der Regierung Merz da nicht Abhilfe schaffen?
Ja, perspektivisch dürfte es durchaus Impulse setzen. Doch unsere ifo-Befragungen zeigen momentan eher ein Bild der Ernüchterung. Man muss aber auch zugestehen, dass es natürlich etwas dauert, bis das Geld aus dem Fiskalpaket wirkt. Die entscheidende Frage für den Erfolg des Fiskalpakets für Infrastruktur, Rüstung und Klimaschutz wird sein, wieviele der Gelder für den Haushalt zweckentfremdet werden und was dann noch konkret für echte Investitionen bereitsteht.
Was sollte die Politik also tun, damit Deutschland wieder zu mehr Wachstum kommt?
Es braucht Reformen. Und damit meine ich keine ideologisierte Agenda, sondern pragmatische Reformen in folgenden fünf Kernbereichen: Rente, Bürokratieabbau & Deregulierung, Bürgergeld, Innovationsförderung und die Vertiefung des EU-Binnenmarktes für Dienstleistungen.
Was kann das konkret bringen?
Eine Rentenreform, die das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppelt, den Nachhaltigkeitsfaktor verstärkt und inflationsorientiert angepasst wird, könnte den Bundeshaushalt um etwa 1% des deutschen BIPs entlasten. Eine ifo-Studie von 2024 belegt, dass Bürokratieabbau die Wachstumsrate über die nächsten 8 Jahre um 0,5 Prozentpunkte steigern könnte. Eine Bürgergeldreform, die allein die Beschäftigung um 150.000 Arbeitsplätze steigern würde, könnte die öffentlichen Haushalte um zusätzlich 4,5 Mrd. Euro pro Jahr entlasten. Auf EU-Ebene würde eine Reduzierung von Dienstleistungshandelsbeschränkungen die EU-Wertschöpfung um 2,3% steigern.
Hinweis: Für die nächste Amundi Investment Konferenz am 07.05.2026 mit spannenden Gästen können Sie sich gerne unter www.amundi-events.de anmelden.
Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 21.01.2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.