Risikoanlagen suchen Boden

1. März 2016

Der Weg zu „hochwertigem“ Wachstum, das wir als Endpunkt unseres langfristigen Basisszenarios sehen, ist beschwerlicher als erwartet. Dennoch halten sich in den USA Verbrauchervertrauen und Arbeitsmarkt gut. In Europa lassen die BIP-Zahlen ein gewisses Maß an wirtschaftlicher Stabilität erkennen.


Notenbanken in unbekannten Gefilden

Nachdem die Fed die Zinsen erhöht hat, während sich die EZB und die BoJ noch im negativen Zinsbereich befinden, können sich unserer Einschätzung nach an den Anleihemärkten Relative-Value-Chancen bieten. Wir halten dabei eine neutrale Duration aufrecht. In den USA haben sich die Argumente für eine Abflachung der Kurve angesichts des nun erwarteten behutsameren Straffungszyklus ein wenig abgeschwächt. Die Flucht in Qualität hat das Fünfjahres-Segment weit über seinen fairen Wert steigen lassen, wobei für 2016 keine Anhebungen eingepreist sind. Daher glauben wir, dass eine Positionierung, die auf eine Abflachung der Kurve setzt, nunmehr weniger unter fundmentalen als unter taktischen Gesichtspunkten von Interesse ist. Europäische inflationsgebundene Anleihen sind auf lange Sicht interessant. Denn die Inflationserwartungen sind im Zuge des Ölpreisverfalls eingebrochen, und die Breakeven-Inflationsraten sind attraktiv. Die Haltung der EZB, die auf die Bekämpfung des Deflationsdrucks ausgerichtet ist, dürfte die Inflationserwartung stützen.

Europa: Value-Chancen an überverkauften Credit- und Aktienmärkten

In Europa war der starke Kurseinbruch bei Bankaktien in den vergangenen Wochen das beherrschende Thema an den Finanzmärkten. In der Eurozone sprechen die strukturellen Reformen, das robuste Wachstum und die überzeugenden Bewertungen immer noch für Aktien. Wir rechnen mit einem leicht positiven Gewinnwachstum, jedoch mit Unterschieden in den einzelnen Branchen. Aktien, deren Kurs vom Ölpreis beeinflusst wird, sowie Bankaktien sind am anfälligsten, während Branchen, die stärker von der Binnennachfrage und dem Konsum getrieben werden, robuster sein dürften. Vor diesem Hintergrund zunehmender externer Risiken und der problematischen europäischen Governance (ein Beispiel sind die Hürden zur Errichtung einer Bankenunion) bleiben wir jedoch weiter zurückhaltend. Wir glauben, dass sich bei Unternehmensanleihen einige Chancen eröffnen, wobei hochwertige Papiere ein attraktives Carry bieten.

Japan: Starker Yen könnte Unternehmen bremsen

Der JPY weist die Eigenschaften eines sicheren Hafens auf, was sich darin zeigt, dass er stark aufwertete, als die europäischen Bankaktien unter Druck gerieten. Diese schnelle Bewegung hat die Bemühungen der BoJ, eine leichte Abwertung herbeizuführen, verpuffen lassen. Als Reaktion auf die Aufwertung verzeichneten japanische Aktien deutliche Verluste. Wir sehen japanische Aktien zwar insgesamt positiv, erwarten aber ein recht volatiles Jahr. Die Unternehmensgewinne verzeichnen ein Rekordwachstum und dürften angesichts der positiven Entwicklung der Industrieproduktion bei mäßigen Lohnerhöhungen auch weiter solide zunehmen. Ein Anstieg des Yen könnte aber das Aufwärtspotenzial begrenzen. Eine Zunahme der Investitionen, die aus unserer Sicht in 2016 möglich ist, könnte dazu führen, dass in der Wahrnehmung der Anleger aus einem exportbasierten Aufschwung ein von der Binnennachfrage getragener Aufschwung wird. Dies wiederum dürfte den Aktienkursen Auftrieb geben. Gleichzeitig würde sich ein moderates Wachstum – ausgehend von den westlichen Industrieländern – positiv auf die Gewinne japanischer Unternehmen auswirken. Auch könnte ein solches Wachstum die Auswirkungen der Schwäche der asiatischen Länder ausgleichen.

Emerging Markets: selektiv Chancen bei Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen aus Schwellenländern könnten nach der jüngsten Korrektur interessante Gelegenheiten bieten. Wir glauben jedoch, dass ein selektives Vorgehen erforderlich ist, um die zu erwartenden Ausfälle in dieser Anlageklasse zu begrenzen, und dass eine langfristige Sichtweise geboten ist. Schwellenländeraktien sind aktuell sehr attraktiv bewertet. Hier kann eine langfristig angelegte Akkumulationsstrategie in Erwägung gezogen werden. Auf Länderebene beurteilen wir den indischen Markt verhalten positiv. Wir glauben, dass der Aufschwung immer noch intakt ist, auch wenn sich die makroökonomische Dynamik im vierten Quartal 2015 verschlechtert hat. Wenngleich die Bewertungen chinesischer H-Aktien auf historischen Tiefs liegen, ist das Risiko-Rendite-Verhältnis noch immer nicht attraktiv. Der zögerliche Schritt Chinas, sich von der lockeren Kopplung an den USD zu lösen und sich in Richtung einer flexibleren Währung zu bewegen, bringt einige Übergangsrisiken mit sich. Die chinesische Zentralbank (People‘s Bank of China, PBoC) bemüht sich, klarer zu kommunizieren, mit dem Ziel, den RMB gegenüber einem handelsgewichteten Korb stabil zu halten.ne Zunahme der Investitionen, die aus unserer Sicht in 2016 möglich ist, könnte dazu führen, dass in der Wahrnehmung der Anleger aus einem exportbasierten Aufschwung ein von der Binnennachfrage getragener Aufschwung wird. Dies wiederum dürfte den Aktienkursen Auftrieb geben. Gleichzeitig würde sich ein moderates Wachstum – ausgehend von den westlichen Industrieländern – positiv auf die Gewinne japanischer Unternehmen auswirken. Auch könnte ein solches Wachstum die Auswirkungen der Schwäche der asiatischen Länder ausgleichen.

Download & Druck

Teilen