Niedriges Wachstum, niedrige Inflation

6. Mai 2016

Niedriges Wachstum, niedrige Inflation

Wir gehen davon aus, dass die Kombination aus niedrigem Wachstum und niedriger Inflation noch längere Zeit fortbesteht. Angesichts diverser Übergangsphasen dürfte sich die Umstellung auf ein Qualitätswachstum in mehreren Ländern schwieriger darstellen als erwartet. Die Zentralbanken richten ihre Anstrengungen intensiv an den Zielen Preisstabilität und Unterstützung der Konjunktur aus, können Markterwartungen und Volatilität aber nicht mehr in dem Maße beeinflussen wie bisher.


Die Fiskalpolitik als ein entscheidender Faktor auf der Nachfrageseite hat keinen maßgeblichen Einfluss auf diese Situation. Strukturreformen befinden sich im Anfangsstadium und werden nur sehr langsam umgesetzt.

 

Die Verschuldung ist weiterhin hoch. Das gesamte ausstehende Kreditvolumen (in % des Welt-BIP) hat mit 220% neue Höchststände erreicht (Quellen: Pioneer Investments, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Stand: März 2016). Der Schuldenstand im Privatsektor der Schwellenländer hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Die demographische Entwicklung und die niedrige Produktivität trüben den langfristigen Ausblick zusätzlich. Daher ist mit einem strukturell geringeren globalen Wachstum zu rechnen.

 

Im aktuellen Konjunkturzyklus zeichnet sich in den Industrieländern eine Verlangsamung ab. Während der Konsum im Durchschnitt stabil bleiben sollte, dürfte das Investitionswachstum gedämpft bleiben. Der Ausblick für die Schwellenländer ist anfällig, auch wenn er sich nicht weiter verschlechtert, und bleibt innerhalb dieser Gruppe sehr unterschiedlich. Minizyklen, strukturell niedrige Inflation und erhöhte Volatilität an den Markten sind wesentliche Merkmale dieses „Doppeltiefs“ aus niedriger Inflation und geringem Wachstum. Gleichzeitig bestehen deutliche Risiken – kurzfristig vor allem politischer Natur, während Auslöser für einen nachhaltigen Anstieg von Angebot und Nachfrage fehlen.

Folglich sollten Anleger derzeit eine neutrale Positionierung bei Aktien einnehmen sowie auf Relative Value-Strategien und regionale Themen setzen, um länderspezifische Unterschiede zu nutzen. Bei Anleihen bevorzugen wir EU-Unternehmensanleihen, bei Staatsanleihen inflationsgebundene Anleihen, die derzeit ein übertrieben negatives Inflationsszenario vorwegnehmen.

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