Zinswende erfordert dynamische Asset Allokation

Montag, 29. Januar 2024

Marktkommentar

Zinswende erfordert dynamische Asset Allokation


Auf der jüngsten Amundi Outlook Investment Konferenz analysierte Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland, vor rund 1.600 Online-Teilnehmenden die aktuelle Situation an den Märkten. Warum er mit Zinssenkungen sowie unterschiedlichen Strategien von Fed und EZB rechnet und vor allem im zweiten Halbjahr Vorteile einer flexiblen Asset Allokation erwartet, erläuterte der renommierte Experte im ausführlichen Interview.

 

 

Herr Kruse, werden die Notenbanken 2024 die Zinsen senken? 

Nachdem die Inflationsraten in den USA, aber auch in Europa im zweiten Halbjahr 2023 recht deutlich zurückgingen, hat der Markt bereits Zinssenkungen erwartet und mit eingepreist. Auch wenn im Dezember die Geldentwertung wieder etwas anzog, vor allem die Kerninflation, rechnen wir nur mit einem vorübergehenden Effekt und mittelfristig weiter sinkender Inflation. Mit Blick auf die Konjunktur rechnen wir auch nicht mit einer deutlichen Rezession: Die USA dürften zwar im ersten Halbjahr leicht im Minus liegen, übers Jahr aber auf ein Plus von 0,8% kommen. Europa stagniert bei etwa 0,3% Wachstum. Hinsichtlich der Fiskalpolitik rechnen wir etwa in den USA in den nächsten fünf Jahren mit einer eher zunehmenden Staatsverschuldung – alles in allem spricht das skizzierte Szenario für Zinssenkungen.

Dann schließt sich die Frage an, wann rechnen sie mit Zinsschritten und wie hoch könnten diese ausfallen?

Für die US-Notenbank schätzen wir, dass im Mai und Juni bereits zwei deutliche Zinssenkungen mit je 50 Basispunkten erfolgen könnten. Dann nochmal zwei kleinere Zinssenkungen im zweiten Halbjahr mit je 25 Basispunkten. Aufgrund der schwächeren Konjunkturaussichten dürfte die EZB zeitlich dicht darauf folgen, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Denn das geringe Wachstum bei uns ist auch strukturell bedingt, etwa wegen der starken Exportorientierung und den im Vergleich mit den USA höheren Energiekosten. Zudem wäre ein zu starker Euro sicherlich nicht erwünscht. Wir rechnen damit, dass die EZB im Juni 25 Basispunkte runter gehen dürfte und im zweiten Halbjahr nochmals vier solche Zinsschritte hinzukommen könnten.

Was bedeutet das für die Allokation gemischter Portfolios?

Wir halten zunächst an der Übergewichtung im Rentenbereich fest. Der Aktienanteil bleibt im ersten Halbjahr etwas untergewichtet, denn die positive Korrelation zwischen Aktien und Renten, die wir im Zuge der jüngsten Zinssenkungen gesehen haben, könnte sich angesichts schwacher Konjunkturdaten nun drehen. Aktienkurse dürften etwas unter Druck kommen, was im Übrigen selektiv für sogenannte Qualitätstitel spricht, während Anleihekurse wiederum von der Aussicht auf Zinssenkungen profitieren könnten. Deshalb bleiben wir beispielsweise bei Staatsanleihen leicht übergewichtet, aber auch bei Unternehmensanleihen im Segment „Investment Grade“, also solchen mit hoher Bonität. Generell glauben wir, dass die anstehende Zinswende eine dynamische Asset Allokation erfordert. Denn wenn die Zinssenkungen dann eintreten, würden wir den Anteil der Staatsanleihen im Portfolio verringern und sukzessive in risikobehaftete Anlageklassen, wie Aktien, einsteigen. Ertragsorientierte Anleger könnten auch Dividendentitel in Betracht ziehen, beispielsweise in spezialisierten Multi-Asset-Income-Fonds. 

Bleibt auch das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage weiter ein Boom-Thema in 2024?

Ich würde dieses wichtige Thema nicht so sehr auf Jahressicht bewerten, da gibt es immer Marktfaktoren, die überlagernd wirken können. Das haben wir etwa bei Ölwerten im Zuge der Folgen des Krieges in der Ukraine gesehen. Auch die Zinserhöhungen haben viele Technologietitel unter Druck gebracht, die ja im ESG-Segment  eine wichtige Rolle spielen. Das ergibt dann immer ein etwas verzerrtes Bild. Langfristig sind wir aber davon überzeugt, dass der Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit wegen der Herausforderung des Klimawandels intakt ist und der Markt sukzessive wachsen wird, um die hohe Nachfrage seitens der Investoren befriedigen zu können. 

Wie steht es 2024 um die Emerging Markets? Haben Anleger dort bessere Renditeaussichten als in den entwickelten Ländern?

Da muss man etwas differenzieren. Für den chinesischen Markt sehen wir eine Schwächung, auch weil ausländische Anleger ihre Gelder signifikant verhaltener investieren. Dafür bekommt nun der asiatische Speckgürtel rund um China mehr Aufmerksamkeit, z.B. die Märkte in Vietnam, Südkorea oder Indonesien. Dort entstehen nun Chancen. Offenkundig wollen Investoren mehr politische Unabhängigkeit erreichen und auch die Wertschöpfungsketten transformieren sowie diversifizieren. Generell sind wir hinsichtlich einer Beimischung von Schwellenländern wie Indien, Indonesien, aber auch Mexiko oder Brasilien in diesem Jahr positiv eingestellt.

    

 Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 29.01.2024. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.