Wir stehen erst am Anfang der Transformation

Donnerstag, 07. Oktober 2021

Marktkommentar, Nachhaltigkeit

„Wir stehen erst am Anfang der Transformation“


Wir stehen erst am Anfang der Transformation_600x400px

Colm O'Connor ist Lead Portfolio Manager bei KBI Global Investors. Was Anleger von nachhaltiger Infrastruktur erwarten dürfen, welche Treiber den Trend befeuern und warum eine strenge Selektion Wachstumschancen eröffnet, erläuterte der Experte im Interview auf der Amundi Investment Konferenz.

      

 

 

Herr O'Connor, Sie verantworten bei KBI die Global Sustainable Infrastructure Strategy. Wofür steht Ihr Investmenthaus?
Wir sind Teil des Amundi Netzwerks und als Fondsboutique bekannt für unsere Expertise für natürliche Ressourcen und nachhaltige Investments. Hier verfügen wir bereits über mehr als 20 Jahre Erfahrung.

Was macht das Thema nachhaltige Infrastruktur für Sie als Asset Manager besonders interessant?
Das Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung erfordern zunehmend Investitionen in nachhaltige Infrastruktur. Bis 2050 haben wir rund zwei Milliarden mehr Menschen zu versorgen als heute, zudem eine aufstrebende Mittelschicht in Asien. Auch wandeln sich aktuell ganze Industrien, und die Infrastruktur in den großen Wirtschaftsnationen veraltet rasant. Die Herausforderungen, die sich aus der unzureichenden Versorgung mit natürlichen Ressourcen wie Lebensmitteln, Wasser und sauberer Energie und der ständig steigenden Nachfrage nach diesen Ressourcen ergeben, werden durch eine immer stärkere staatliche Regulierung noch verschärft. Viel Rückenwind kommt durch starke staatliche Anreize, die häufig an strenge Nachhaltigkeitskriterien geknüpft sind. Aber auch Innovation und technologischer Fortschritt sind Triebfedern für ein dynamisch wachsendes Anlageuniversum für nachhaltige Infrastruktur.

Wie unterscheidet sich denn ein Portfolio für nachhaltige Infrastruktur von seinem klassischen Pendant?
Statt in Öl- und Gasinfrastruktur, Flughäfen oder Autobahnen investieren wir in explizite Zukunftsthemen. Etwa Wasser, intelligente Stromnetze oder nachhaltige Landwirtschaft und saubere Energie. So berücksichtigen wir neben der traditionellen finanziellen Bewertung auch die Umwelt- oder Sozialverträglichkeit unserer Investitionen, wobei wir ein überzeugendes Risiko-Ertrags-Profil anstreben. Wir achten genauso auf langfristige, stabile Cashflows, Auszahlungen an Aktionäre und vieles mehr, was auch in klassischen Infrastrukturportfolios eine wichtige Rolle spielt.

Glauben Sie, klassische Infrastruktur wird künftig keine große Rolle mehr spielen?
Natürlich werden diese Einrichtungen und Projekte nicht verschwinden. Aber Flughäfen oder Gas- und Öl-Pipelines sind reifere Märkte, also gibt es hier automatisch weniger Wachstumspotenzial. Für die Energiewende muss aber beispielsweise viel Infrastruktur von Grund auf neu gebaut und installiert werden – diese positive Wachstumsperspektive macht einen großen Unterschied in der Bewertung beider Arten von Infrastruktur.

Welche Vorteile können sich für Investoren in nachhaltige Infrastruktur bieten?
Wir glauben, dass Anleger von einem zukunftsgerichteten Portfolio profitieren können, weil zum einen bestimmte Risiken entfallen. Etwa für auslaufende Geschäftsmodelle, wie die der Öl- und Karbonwirtschaft. Die Fokussierung auf künftige Herausforderungen impliziert wie gesagt eine Wachstumschance, die wir auch durch viele Hilfsgelder und Subventionen für nachhaltige Lösungen gestützt sehen. McKinsey schätzte kürzlich, dass jährlich 800 Milliarden Euro an Investitionen erforderlich sind, um die Klimaziele von „Net Zero“ bis 2050 zu erreichen . Auch die Milliardenzusagen des EU-Green Deals sowie des Green Deals des US-Präsidenten Joe Biden zeigen, welche Chancen die Kombination der beiden Wachstumsthemen „Nachhaltigkeit“ und „Infrastruktur“ bieten können. Und eines ist klar: Wir stehen erst am Anfang der Transformation hin zu einer Net-Zero-Gesellschaft.

 

Rechtliche Hinweise:

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 30.09.2021. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

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