„Wir erwarten eine freundlichere zweite Jahreshälfte“

Montag, 09. Januar 2023

Marktkommentar

„Wir erwarten eine freundlichere zweite Jahreshälfte“


Inflation, restriktive Zentralbankpolitik, ebenso die Energiekrise sowie das schwächelnde Wachstum in China sind auch zu Beginn des neuen Jahres die zentralen Themen für Investoren, meint Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland. Doch wenn die Zentralbanken ihre restriktive Geldpolitik zurückfahren, dürften sich im Jahresverlauf sukzessive wieder mehr Chancen eröffnen. Gerade in solch einem Szenario sollten die Vorteile von Mischfonds besonders zum Tragen kommen. 

 

Herr Kruse, welches Szenario an den Finanzmärkten erwarten Sie für 2023?

Wir arbeiten bei Amundi mit drei Szenarien, denen wir nach eingehender Analyse je eine Wahrscheinlichkeit zuordnen. Unser Hauptszenario, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit wir mit 70% beziffern, geht für 2023 von einem moderaten Rückgang beim globalen Wirtschaftswachstum aus. In den positiven beziehungsweise negativen Alternativszenarien mit je 15% Wahrscheinlichkeit findet die Konjunktur dann in der 2. Halbjahreshälfte schneller bzw. langsamer auf den Wachstumspfad zurück, als in unserem Basisszenario. Wobei wir davon überzeugt sind, dass uns in allen drei Szenarien etwa bis zur Jahresmitte die großen, aktuellen Herausforderungen – Inflation, restriktive Zentralbankpolitik, aber auch die Energiekrise sowie das schwächelnde Wachstum in China – begleiten werden. Das wird die Märkte zunächst belasten. Beginnend mit dem mutmaßlichen Ende der restriktiven Zinspolitik der Federal Reserve ab etwa März, könnten immer deutlicher auch gute Wachstumsaussichten aufkommen.

Was wären denn die Voraussetzungen dafür, dass das positive Szenario eine gute Chance hätte?

Dafür müssten die Gewinne doch deutlicher zurückkommen: Im Moment haben die Märkte für die USA ein Gewinnwachstum von 7%, für Europa lediglich 1% eingepreist. Wir rechnen hier allerdings eher mit einem negativen Korridor von -5% bis -10%. Das wird sich, wie gesagt, vermutlich Anfang des Jahres zunächst in einer Korrektur niederschlagen. Aktuell sehen wir in den USA die Inflation aber schon wieder leicht fallen, wenngleich sie noch auf hohem Niveau tendiert. Damit liegt der Preisauftrieb schon wieder unterhalb der Erwartungen, was die Hoffnung nährt, dass die US-amerikanische Zentralbank Fed mit ihrem restriktiven Kurs im Frühjahr zu einem Ende kommen könnte. Wenn dann noch China für positive Impulse sorgen würde, könnten wir wieder etwas Dynamik im Wachstum und damit ein positiveres Gesamtbild sehen.

Lassen Sie uns auf das negative Szenario schauen: Welche Faktoren könnten verhindern, dass es zu einer Erholung an den Märkten kommt?

Sollte die Inflation mit den Zinsschritten der Zentralbanken nicht wirkungsvoll eingefangen werden können, dürften wir in ein klassisches Stagflationsszenario geraten. Wenn dann die Leitzinsen weiter angehoben werden müssen, wird das die Konjunktur natürlich in Mitleidenschaft ziehen. Dies könnte dann eine Rezession für die US-Wirtschaft bedeuten, von der wir in unserem Hauptszenario aber nicht ausgehen.

Wie könnten sich Anlegerinnen und Anleger in diesem Umfeld positionieren?

Entweder man wählt den Einstiegszeitpunkt selbst und beobachtet aufmerksam die Zinsschritte der Zentralbanken sowie die Wirtschaftsentwicklung in China, um das Timing gut zu gestalten. Oder man setzt auf aktiv gemanagte Mischfonds, die anfangs des Jahres vielleicht defensiver positioniert sind und deren Fondsmanager dann das Timing und die Umschichtung in Aktien übernehmen. Gerade mit Blick auf interessante Dividendenrenditen und attraktive Zinsen im Anleihebereich könnten zudem sogenannte Multi-Asset-Income-Fonds eine interessante Alternative sein. Auch Mischportfolios mit Goldanteil dürften gerade in einem Stagflationsszenario gewisse Stärken haben.

In diesen Mischfonds nehmen also die Portfoliomanager den privaten Kapitalanlegern viele Entscheidungen ab, die gerade in einem komplexen Umfeld schwer zu treffen sind?

Genau das ist die Idee. Schließlich bieten sich nach den zu erwartenden Korrekturen an den Märkten im ersten Halbjahr wieder Chancen in vielen Anlageklassen, die man aktiv nutzen sollte. Unserer Auffassung nach könnten Investoren aus einer defensiven Positionierung bei US-Aktien später dann in eine positive Positionierung bei europäischen Aktien wechseln. Beimischungen von zyklischen Titeln, Small- und Mid-Caps könnten dann eine wichtige Rolle spielen. Bei der Selektion dieser Einzeltitel, dem Abwägen des Einstiegszeitpunkts sowie der konkreten Gewichtung verschiedener Anlageklassen können Multi-Asset-Fondsmanager dann ihre ganze Erfahrung und Flexibilität ausspielen.

Rechtliche Hinweise:
Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 04.01.2023. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

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