Nachhaltigkeit und ESG: Investieren mit reinem Gewissen

Montag, 27. Juli 2020

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und ESG: Investieren mit reinem Gewissen


CO2 einsparen, Kinderarbeit beenden sowie alternative Energien fördern und dabei finanziell profitieren, geht das? Klar, das geht! ESG-Investments bringen die gewünschte Nachhaltigkeit ins Portfolio, ohne dass langfristig orientierte Anleger deswegen auf Rendite verzichten müssten.

  

 

                     

Bewusstseinswandel, neue gesetzliche Regelungen und gezielte Förderung greifen ineinander und sorgen aktuell für enormen Rückenwind beim Thema ESG. Bei diesem Kürzel steht „E“ für Environment (Umwelt), „S“ für Social (Sozial) und „G“ für Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung). Einen regelrechten Boom nachhaltigen Investierens belegen auch die jüngst im FNG-Marktbericht 2020 veröffentlichten Marktdaten: Demnach verdoppelten Privatanleger im Jahr 2019 hierzulande ihr Kapital in dieser Anlageklasse nahezu.1

Wer etwas über die Ursprünge des Begriffs „Nachhaltigkeit“ erfahren will, landet bei Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann des Erzgebirges. Der Sachse grübelte über die damalige „Holznot“ in weiten Teilen Europas. Und er brachte es auf einen schlüssigen Nenner: Wer ernten will, muss säen! Nebenbei prägte er in seinem forstwirtschaftlichen Lehrbuch „Sylvicultura oeconomica“ von 1713 den Begriff „Nachhaltigkeit“. In der Tradition dieser frühen historischen Wurzeln stand auch die moderne Umweltbewegung der 1970er. Der „Club of Rome“ veröffentlichte 1972 seinen berühmten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ und sensibilisierte die Weltöffentlichkeit für die zerstörerischen Auswirkungen des Raubbaus an der Natur. Das war zugleich der Startschuss für Finanzunternehmen, die frühzeitig den Trend hin zu „mehr Verantwortung“ erkannten. Erste Finanzprodukte griffen das Thema bereits ab Mitte der 1980er Jahre auf.  

„ESG“ interpretiert Nachhaltigkeit neu

Schritt für Schritt entwickelte sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen, bis er spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, in dem sich 197 Staaten zu hohen nachhaltigen Klimaschutzstandards verpflichteten, einen enormen Schub erlebte. 2016 traten 17 konkrete Nachhaltigkeitsziele der UN in Kraft, darunter beispielsweise nachhaltiger Konsum, Maßnahmen zum Klimaschutz, sauberes Wasser sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Damit war das Thema Nachhaltigkeit politisch und medial „on top“. Dann kam es zu einem regelrechten „Verantwortungs-Boom“, insbesondere bei der globalisierten Jugend: Unter dem Motto „Fridays for Future“ demonstrierten Schüler auf der ganzen Welt für eine Zukunft im Zeichen geschützter Ressourcen. Eine Entwicklung, die sich mittlerweile im Konsum- und Lebensverhalten breiter Milieus sowie in einem stark wachsenden Markt für nachhaltige Geldanlagen widerspiegelt. „Unternehmen sind durch den Trend zur Nachhaltigkeit transparenter geworden, das ist großartig“, betont Jörg Moshuber, ESG-Spezialist und Portfolio Manager bei Amundi. „Vor rund zehn Jahren hatte ich ein potenzielles Investmentuniversum von 400 bis 500 Unternehmen, mittlerweile habe ich 4.000 zur Verfügung – verglichen mit früher haben wir mittlerweile ein Paradies für Nachhaltigkeitsinvestoren“, bewertet Moshuber den Aufstieg der Anlageklasse von der Nische zum Mainstream.

Markt für nachhaltiges Investieren wächst rasant

ESG-Investments werden zumeist in einer Kombination aus „negativer“ und „positiver“ Auswahl ermittelt – also vereinfacht gesagt einer Ausschluss- und einer ESG-Bestenliste. Dieses ESG-Grundkonzept überzeugt: Auch immer mehr private Kunden wollen auf diese Weise nachhaltig investieren, fragen aktiv nach einem „fairen“ und „gerechten“ Investment. Mit +96% hat sich laut FNG-Marktbericht das Anlagevolumen deutscher Privatinvestoren in nachhaltigen Öko- und Ethikfonds binnen Jahresfrist auf 18,3 Mrd. Euro sprunghaft entwickelt. Ende 2019 waren demnach allein in Deutschland bereits 263,9 Mrd. Euro in ESG-Produkten investiert, die ökologische und sozialverantwortliche Aspekte in der Anlagestrategie berücksichtigen.

ESG-Investments oft renditestärker

Die zunehmende Beliebtheit von ESG-Investments ist aber auch aus rein finanziellen Gründen plausibel. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Kaum jemand muss langfristig auf Performance verzichten, wenn er sich für ein nachhaltiges Investment entscheidet! Die überwiegende Mehrheit von mittlerweile rund 2.000 Studien und Analysen zur Rendite von ESG-Investments zeichnet ein klares Bild: Durchschnittlich schneiden ESG-Portfolios in Sachen Rendite nicht schlechter ab als herkömmliche Produkte – oftmals sind sie sogar besser. 2

Amundi: facettenreiche ESG-Produktpalette

Gute Aussichten also für nachhaltige Finanzprodukte. Nicht nur das steigende Umwelt- und Klimabewusstsein in weiten Teilen der Gesellschaft und bei den politisch Verantwortlichen sollte den Wachstumstrend weiter stützen: Ab 2021 kommen voraussichtlich neue, EU-weite Vorschriften in der Anlageberatung hinzu: Geplant ist, dass Investoren dann auf die Möglichkeit nachhaltiger Anlagen hingewiesen werden müssen. Die Zahl der Anleger, die mit reinem Gewissen investieren wollen, ohne auf Rendite zu verzichten, wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter zunehmen – und damit auch der Nutzen für Umwelt, Klima und Mensch.

1 Quelle: Marktbericht nachhaltige Geldanlagen 2020 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG).
2 Quelle: Amundi, eigene Recherche, hauseigene Studie zur ESG-Integration in Aktienportfolios (2019). Weitere Quellen: Gunnar Friede, Timo Busch und Alexander Bassen (2015), ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies, Journal of Sustainable Finance & Investment; Analyse der Rating-Agentur Scope zum nachhaltigen Investieren (2018).

Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management, Stand: 23.07.2020. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.