Hype oder Motor für Innovationen – Was bringt KI?

Mittwoch, 04. Oktober 2023

Marktkommentar

„Deutschland ist international führend in vielen KI-Bereichen“


Die jüngste Amundi Investment Konferenz stand unter dem Motto: „Hype oder Innovationsmotor – was bringt uns KI?“ Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster, weltweit bekannter und renommierter Forscher zu Künstlicher Intelligenz, und Fondsmanager und ESG-Spezialist Christian Zimmermann analysierten im ausführlichen Talk, welche Rolle das Trendthema in der Praxis spielt, und welche Chancen, aber auch Risiken für Anleger mit KI verbunden sein können.

 

Prof. Wahlster, in welcher Phase befinden wir uns gerade bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz?

Wir sind bereits seit 2010 in der „Phase 4“, der Entwicklung sogenannter „Kognitiver Systeme“. Die ersten heuristischen Systeme der 1970er Jahre wurden in den 80ern von wissensbasierten Systemen abgelöst. Zwischen 1990 und 2010 sprechen wir von „Lernenden Systemen“, die bereits Massendaten nutzen konnten. Heute wenden wir hybride neuro-symbolische IT-Architekturen mit großen Sprachmodellen in generativer KI an. Das ermöglicht ein breites Einsatzspektrum von KI, die sich auch leicht anpassen lässt und robust läuft. So eröffnet sich eine nahezu unbegrenzte Anzahl von sinnvollen Anwendungen in der Praxis. KI wird immer mehr zu einer Schlüsseltechnologie für Kernbereiche der deutschen Wirtschaft und in der modernen Wissenschaft.

Wie erwerben KI-Systeme eigentlich ihr Wissen?

Über maschinelles Lernen, also die tiefe Analyse von Massendaten, aber auch interaktivem Wissenserwerb durch Interaktion mit einem Wissensträger.

Wie steht denn nun der Wettlauf zwischen „Mensch und Maschine“?

In bestimmten Bereichen hat der Mensch gegen KI keine Chance mehr, etwa bei Brett- oder Kartenspielen wie Schach oder Poker. Doch das ist kein Grund zur Sorge: Diese „Superintelligenz“ besteht nur auf wenigen, ausgewählten Gebieten, ansonsten könnte man sagen, ist die KI bei der generellen Alltagsintelligenz auf dem Stand eines 3-4jährigen Kindes, das ohne seine Eltern nicht sonderlich weit kommt. Das sagt natürlich nichts über die praktische Nutzbarkeit und den wirtschaftlichen Wert von KI-Lösungen. Künstliche Intelligenz führt sowohl bei der physischen Unterstützung, beispielsweise durch „Cobots“ also kollaborativen Robotern, die Hand-in-Hand mit Menschen zusammenarbeiten, aber auch durch kognitive Assistenz von sogenannten „Softbots“ bereits heute zu enormen Wettbewerbsvorteilen bei vielen Unternehmen und Geschäftsmodellen.

Herr Zimmermann, wie bewerten Sie als Fondsmanager den aktuellen Siegeszug der KI?

Wir schauen natürlich zuerst einmal auf die Märkte, und da zeigt sich derzeit schon ein gewisser Hype. Wenn KI-Lösungen wie Chat GPT bei einem Börsengang eine Marktkapitalisierung von 80-90 Mrd. US-Dollar – bei einem geschätzten Umsatz von 1 Mrd. US-Dollar – anstreben, wirkt das schon recht euphorisch. Richtig ist aber auch, dass KI in der Realwirtschaft schon eine wichtige Rolle spielt und in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein wird.

An welche Bereiche denken Sie?

Da gibt es gegenwärtig naheliegende Beispiele, wie KI-Steuerungen von Maschinen in Industrie und verarbeitendem Gewerbe, aber auch eher überraschende Anwendungen: Beispielsweise scannen Autovermieter ihre Fahrzeuge mittlerweile bei Abfahrt und Ankunft mittels KI nach Kratzern und Dellen und verschlanken so die oftmals sehr aufwändige Schadensregulierung. Auch bei Tarifberechnungen von Versicherungen wird KI in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Prof Wahlster, gibt es Erhebungen, welche Branchen besonders auf KI setzen?

Ja, die meisten konkreten Anwendungen in Deutschland gibt es in den drei Segmenten Gesundheit, Verarbeitendes Gewerbe sowie Mobilität & Logistik. Erst dann folgen Energie & Umwelt oder Information & Kommunikation. Bei den Einsatzfeldern führen Intelligente Assistenzsysteme, sogenannte Predictive Analytics – die der vorbeugenden Wartung dienen – und der Bereich intelligente Automatisierung. Themen wie Robotik oder autonomes Fahren liegen in der Rangliste relativ weit hinten.

Herr Zimmermann, ist KI auch in der Finanzwirtschaft und bei Ihnen im Fondsmanagement angekommen?

In der Tat, gerade beim verantwortungsvollen Investieren in ESG-Titel profitieren wir bereits sehr von KI-Lösungen. Dabei geht es beispielsweise um das Monitoring und Mapping von ESG-Daten per Satellit, etwa die Überwachung von Abholzungen oder Emissionen. Das betrifft CO2 oder auch Methan, das die UN über ein eigenes Frühwarnsystem erfasst und meldet. Wir als Investoren haben dann die Möglichkeit zu reagieren und im Rahmen unserer Engagement-Politik auf Unternehmen oder andere Emittenten einzuwirken, konsequenten Klimaschutz zu betreiben. KI validiert bereits heute eine Fülle von Daten für uns.

Kann KI einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und zur nötigen Transformation leisten?

In jedem Fall kann KI die Transformation mit ihren vielfältigen Anwendungen bereichern und beschleunigen, keine Frage. Hier sehen wir enormes Potenzial. Doch alles hat seine zwei Seiten und als ESG-Fondsmanager sind wir uns bewusst, dass KI auch einen hohen Energiebedarf erzeugt: So kostet eine Chat GPT-Anfrage ein Vielfaches an Strom, wie eine Google-Suchanfrage. Umso wichtiger ist die zügige Umstellung auf erneuerbare Energie. Aber auch im sozialen Bereich, also quasi dem „S“ in „ESG“, gibt es Herausforderungen. So können Automatisierungen natürlich auch zu Arbeitsplatzabbau führen und somit gesellschaftlich belastend wirken, auch wenn sie ökonomisch oder ökologisch klare Vorteile haben können. Solche Zusammenhänge behalten wir bei Amundi genau im Blick.

Prof. Wahlster, wo steht denn die KI in Deutschland? Haben uns China und die USA bereits abgehängt?

Deutschland ist weltweit mit führend bei industriellen KI-Anwendungen und -Entwicklungen, das mag viele überraschen. Klar, die Amerikaner besitzen große Plattformen und sind die Nr. 1 bei KI für Werbung und Marketing sowie für b2c-Geschäftsmodelle. Die Chinesen sind bei KI für nationale Sicherheit oder im Online-Handel führend. Doch bei den KI-Lösungen für Produktion, Industrie 4.0, Logistik oder b2b-Geschäftsmodelle sowie für autonome Systeme hat Deutschland teilweise 1-2 Jahre Vorsprung. Übrigens sind wir eine Supermacht im Roboterfußball als zehnfacher Weltmeister.

Herr Zimmermann, wie können Anlegerinnen und Anleger denn von den Wachstumschancen des Zukunftsthemas KI profitieren?

Bei Amundi bieten sich bereits heute viele Möglichkeiten, moderat oder auch stärker in KI-Lösungen zu investieren. Von breiten Aktienfonds mit einzelnen KI-Unternehmen, über Technologiefonds bis hin zu Portfolios und ETFs mit dem Fokus auf KI stehen fondsbasierte und somit diversifizierte Kapitalanlagen für unterschiedliche Anlageziele zur Verfügung.

 

 Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 27.09.2023. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.