Covid-19: Wann ist die Talsohle erreicht?

Donnerstag, 26. März 2020

Marktkommentar

Covid-19: Wann ist die Talsohle erreicht?


Wir erleben beispiellose Zeiten hoher gesundheitlicher und wirtschaftlicher Risiken. Die jetzt maßgeblichen Indikatoren weisen in unterschiedliche Richtungen und machen BIP-Prognosen einerseits schwierig und andererseits wenig hilfreich.

 

 

Wo stehen wir in der Krise?

Die Finanzmärkte sind der Realwirtschaft in der Regel voraus und könnten ihren Tiefpunkt daher noch vor dem Ende der Pandemie erreichen. Die starken Kursschwankungen sollten abnehmen, wenn Anleger die weitere Entwicklung besser einschätzen können. Dabei spielen die folgenden drei Faktoren aus unserer Sicht eine wichtige Rolle:

 

  • Das zyklische Muster der Pandemie oder Anzeichen für eine Verlangsamung der Ausbreitung; entscheidend sind hierbei der Zeitfaktor (Verlängerung der Krise) und die Mobilisierung gegen das Virus (die in mehreren Ländern in Kraft gesetzten Eindämmungsmaßnahmen). Eine frühzeitige Eindämmung durch drastische Maßnahmen, wie wir sie zunächst in China und inzwischen auch in den wichtigsten westlichen Ländern sehen, könnten die Ausbreitung des Virus verlangsamen.
  • Die „Alles, was notwendig ist“-Taktik der Regierungen und Zentralbanken; hier stellt sich die Frage, ob die geldpolitischen Maßnahmen und Konjunkturpakete überzeugen, die Finanzierungskonditionen für Unternehmen erleichtern und private Haushalte in einer Phase höherer Arbeitslosigkeit als Folge des wirtschaftlichen Stillstands ausreichend versorgen. 
  • Das kurze Ende der Zinskurve (nach den Marktverwerfungen) und die Anleiherenditen in Kernmärkten; die Renditen sind nach Ankündigung der Konjunkturpakete gestiegen, Anleger reagieren damit auf steigende Schulden. Die Zinskurve ist die graphische Darstellung der Renditen festverzinslicher Wertpapiere in Abhängigkeit ihrer Restlaufzeit.

 

Wir befinden uns nach unserer Auffassung in einer ähnlichen Situation wie im Oktober 2008. Damals war die Unsicherheit sehr hoch und die Volatilität extrem, die Liquidität löste sich vollständig auf. Die Talsohle erreichten wir im März 2009. Staaten und Zentralbanken haben – wie wir meinen – jedoch aus der Krise des Jahres 2008 gelernt und ihre außerordentlichen Maßnahmen – die zudem sehr viel umfangreicher sind als damals – früher angekündigt. Die Märkte müssen unserer Meinung nach all diese Ankündigungen erst einmal verdauen, doch sie dürften das unbegrenzte Volumen der Hilfspakete einpreisen. Die massiven Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken können jedoch nur dann Wirkung zeigen, wenn die Ausbreitung entsprechend zurückgeht. Von diesen zwei Faktoren sollte die Erholung abhängen, und solange die Pandemie nicht unter Kontrolle ist, wird die Volatilität anhalten.

  

Was bedeutet das konkret?

Für Anleger ist nach unserer Einschätzung vor allem die Geschwindigkeit der Pandemieentwicklung von Bedeutung. Noch steigt die Zahl der Infizierten weiter – und seit einigen Wochen auch schneller. Wenn die Eindämmungsmaßnahmen greifen, sollte sich die Ausbreitung verlangsamen. Dies war zuerst in China zu beobachten, doch mittlerweile gibt es auch erste Anzeichen für eine Verlangsamung in Italien, was beruhigend auf die Märkte wirkt. Nach einer Eindämmung der Pandemie werden wir jedoch nicht direkt zur Normalität übergehen können; solange wir keinen Impfstoff kennen, wird soziale Distanzierung wahrscheinlich in der einen oder anderen Form bestehen bleiben. „Smart Working“ – also beispielsweise digital vernetztes Arbeiten an unterschiedlichen Orten – könnte an Bedeutung gewinnen, ebenso wie Online-Shopping, Unterhaltung und Bildung. Die Menschen könnten verstärkt soziale Medien nutzen, medizinische Berufe könnten besser bezahlt werden. Auch diese Entwicklungen kann man in China verfolgen, wo die Wirtschaft langsam wieder hochgefahren wird, ihr Normalniveau jedoch noch nicht erreicht hat.

  

Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand  25.03.2020. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

Die vollständige Publikation "In Search of the Bottom in the Covid-19 Crisis" in der englischen Originalfassung finden Sie hier zum Download.