Märkte im Fokus | November 2016

7. November 2016

Märkte im Fokus – Warten auf die Fiskalpolitik

Die Zentralbanken lassen durchblicken, dass sie nicht fortwährend Konjunkturanreize liefern können. Effizient und gezielt eingesetzt, wäre eine fiskalische Expansion eine Möglichkeit, Wachstumsimpulse zu setzen. In „Märkte im Fokus“ erörtert das Global Macro Team die Bedeutung von Makro-Themen für Investoren.


Nachdem sich Europa für die Folgen des Brexit weniger anfällig zeigt als zunächst erwartet, unterziehen wir unser Szenario für die nächsten Monate einer Feinabstimmung, indem wir die Wahrscheinlichkeit hoher Negativrisiken reduzieren. Unser Kernszenario liegt zwischen bescheidenem und geringem Wachstum in einem Umfeld mit anhaltend niedriger Inflation. Die Grenzen zwischen diesen beiden Szenarien sind fließend, und die jeweilige Positionierung wird stark von den politischen Entwicklungen in den USA und Europa abhängen. Das Risiko, in einem Szenario mit niedriger Inflation und niedrigem Wachstum gefangen zu sein oder in kritischere Situationen abzugleiten, ist etwas gesunken, denn die kurzfristigen Reaktionen auf die Brexit-Entscheidung fielen in Großbritannien wie in der Eurozone weniger stark aus als erwartet. Hinzu kommen relativ positive Entwicklungen in China.

 

Die Zentralbanken lassen mittlerweile durchblicken, dass sie nicht fortwährend Konjunkturanreize liefern können, und denken darüber nach, wie sie sich wieder der Erfüllung ihres eigentlichen Mandats annähern können. In der Zwischenzeit suchen sie nach einer neuen Strategie, um eine effektivere Interaktion mit der Fiskalpolitik herbeizuführen. Die Regierungen versuchen, das schleppende Wachstum zu überwinden, und stehen durch den Wahlzyklus unter Druck. Daher wäre es denkbar, dass schließlich in Ländern mit einer höheren fiskalpolitischen Kapazität (wie Deutschland) eine mögliche Steigerung der Staatsausgaben bevorsteht. Effizient und gezielt eingesetzt, könnte eine solche fiskalische Expansion die Gelegenheit sein, Wachstumsimpulse zu setzen. Außerdem wäre dies hilfreich, um die Inflation etwas anzuschieben. In Großbritannien ist der Rückschlag des Pfunds ein Indiz dafür, dass Geldpolitik allein nicht ausreicht. Eine weitere Abwertung des Pfunds könnte zwar britischen Exporteuren zugutekommen (zu Lasten der Euroland-Exporte), würde irgendwann aber auch die Binnennachfrage dämpfen. In diesem Szenario bleiben die strukturellen Risiken weitgehend bestehen. Daher sehen wir Aktien zwar etwas positiver, bleiben jedoch insgesamt bei unserem vorsichtigen Ansatz und favorisieren weiterhin EU-Unternehmensanleihen und EM-Anlagen. Vor dem Hintergrund steigender Inflationserwartungen und in Erwartung steiler werdender IL-Renditekurven halten wir inflationsgeschützte Wertpapiere aus den USA und der EU für attraktiv. Unseres Erachtens sind beim Portfolioaufbau verschiedene Risiken zu berücksichtigen. Daher bieten sich der US-Dollar und Gold hier zur Diversifizierung an.

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